TikTok Ads für Ärzte — es fehlen MFA, nicht Patienten
Praxen haben volle Wartezimmer und unbesetzte Stellen. Was fehlt, sind Medizinische Fachangestellte — und die sind jung, knapp und über diesen Kanal erreichbar. Für Patientenwerbung taugt er dagegen nicht.
Was wir für Arztpraxen machen
Nicht für das Wartezimmer — für die Stelle, die seit Monaten offen ist. Vier Bausteine:
Volle Wartezimmer, leere Stellen
Die Lage in den meisten Arztpraxen ist eindeutig, und sie widerspricht dem, wofür Werbung üblicherweise eingesetzt wird.
Die Wartezimmer sind voll. Termine sind über Wochen vergeben. Die Anmeldung wehrt Anfragen ab, weil nichts mehr geht.
Was fehlt, sind keine Patienten.
Was fehlt, sind Medizinische Fachangestellte.
Und das ist kein Randproblem: Eine Praxis mit einer unbesetzten MFA-Stelle arbeitet langsamer, hat längere Wartezeiten und belastet das verbleibende Team stärker.
Für die Werbeplanung folgt daraus eine klare Ausrichtung, die dem üblichen Vorgehen widerspricht.
Patientenwerbung ergibt in dieser Lage keinen Sinn — und bei Kassenleistungen ist sie wegen der Budgetierung ohnehin wirtschaftlich unsinnig: Mehr Fälle bedeuten mehr Arbeit ohne zusätzlichen Ertrag.
Für Selbstzahlerleistungen wäre Werbung denkbar. Nur passt die Altersgruppe auf dieser Plattform dafür selten — wer ästhetische Behandlungen oder Vorsorgeleistungen selbst zahlt, ist meist älter.
Was auf dieser Plattform dagegen stimmt, ist die Zielgruppe für die Personalsuche.
MFA in Ausbildung und in den ersten Berufsjahren sind überwiegend zwischen achtzehn und dreißig. Sie sind dort erreichbar, und sie sind über Stellenportale und Aushänge kaum zu gewinnen — weil ein erheblicher Teil von ihnen nicht aktiv sucht, sondern in einer Anstellung unzufrieden ist.
So gehen wir vor
Kein Paket von der Stange. Der Ablauf richtet sich nach offenen Stellen, Praxisart und Drehmöglichkeiten — die Reihenfolge bleibt dieselbe.
Stellen und Bedingungen klären
3–5 TageZuerst die Frage, welche Stellen offen sind und was die Praxis tatsächlich bietet.
- Offene Stellen benennen
- Vergütung festlegen
- Arbeitszeiten und Modelle klären
- Fluktuationsgründe erfassen
Aufnahmen planen
1–2 WochenMotive aus der Praxis unter strikter Beachtung der Schweigepflicht.
- Drehorte ohne Patientenbezug wählen
- Bildschirme und Akten abdecken
- Team für Aufnahmen gewinnen
- Einwilligungen einholen
Kampagne aufsetzen
1 WocheZielgebiet nach Pendelentfernung, Altersbereich nach Berufseinstieg.
- Pendelradius wählen
- Altersbereich passend setzen
- Beruflichen Bezug nutzen
- Mehrere Motive testen
Bewerbungsweg bauen
1 WocheEine kurze Seite mit konkreten Angaben und einem Formular von drei Feldern.
- Vergütung nennen
- Arbeitszeiten konkret angeben
- Formular kürzen
- Vertraulichkeit zusichern
Auswerten und nachziehen
monatlichVerfolgt werden Gespräche und Einstellungen, nicht Reichweite.
- Bewerbungen erfassen
- Gespräche und Zusagen zählen
- Motive nach Wirkung tauschen
- Bei Besetzung pausieren
Warum sie den Beruf verlassen
Um MFA zu gewinnen, muss man wissen, warum so viele gehen — und die Gründe sind bekannt.
Die Vergütung steht an erster Stelle. Sie liegt im Verhältnis zur Verantwortung niedrig, und sie liegt deutlich unter dem, was dieselbe Qualifikation in einer Klinik oder in der Industrie einbringt.
Die Belastung an der Anmeldung folgt. Wer dort arbeitet, ist gleichzeitig Telefonzentrale, Terminvergabe, Erstkontakt und Puffer für Verzögerungen — und das in einem Raum voller wartender Menschen.
Der Umgangston. MFA sind die ersten, die es abbekommen, wenn ein Termin sich verschiebt, ein Rezept nicht bereitliegt oder eine Überweisung fehlt. Ein Teil der Patienten wird dabei ausfallend.
Die fehlende Anerkennung. MFA übernehmen medizinische Aufgaben, die Verantwortung tragen, und werden von außen häufig als Empfangspersonal wahrgenommen.
Und gelegentlich der Ton in der Praxis selbst — der Umgang zwischen Praxisleitung und Team.
Eine Praxis, die einen oder mehrere dieser Punkte besser macht, hat ein Argument. Aber nur, wenn sie es benennt.
Und genau das geschieht nicht. Praxisanzeigen werben mit einem netten Team und einem modernen Arbeitsumfeld — Formulierungen, die in jeder Anzeige stehen und deshalb nichts aussagen.
Was wirkt, ist die konkrete Aussage: Wie viele MFA teilen sich die Anmeldung? Gibt es eine Regelung, wenn ein Patient ausfallend wird? Wird die Anmeldung in Schichten besetzt, damit niemand acht Stunden dort steht?
Diese Angaben unterscheiden sofort — weil sie zeigen, dass jemand das Problem überhaupt kennt.
Die Vergütung gehört genannt
Unter allen konkreten Angaben ist eine die wichtigste und wird am seltensten gemacht: die Vergütung.
In Praxisanzeigen steht sie fast nie. Stattdessen findet sich die Formulierung über eine leistungsgerechte Bezahlung, die genauso gut zu wenig wie viel bedeuten kann.
Für die Zielgruppe ist das ein Ausschlusskriterium.
MFA kennen die Spanne in ihrer Region genau — sie tauschen sich untereinander aus, und die Unterschiede zwischen Praxen sind erheblich.
Eine Anzeige ohne Angabe wird als Hinweis darauf gelesen, dass die Vergütung nicht überzeugt. Das mag ungerecht sein und ist die verbreitete Annahme.
Wer über dem Durchschnitt zahlt, verschenkt sein stärkstes Argument, wenn er es nicht sagt.
Neben dem Grundgehalt gehören die Zusätze dazu: Zuschläge, Fahrtkostenbeteiligung, Zuschüsse zu Kinderbetreuung oder Nahverkehr, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, betriebliche Altersvorsorge.
Diese Bestandteile machen zusammen einen erheblichen Unterschied und werden selten aufgeführt.
Der Einwand, dass bestehende Mitarbeitende die Angabe lesen, ist berechtigt — und er zeigt meist ein Problem, das unabhängig von der Anzeige besteht und ohnehin gelöst gehört.
Ein zweiter Punkt, der ähnlich wirkt: die Arbeitszeiten. Gibt es Teilzeitmodelle? Wie wird mit Überstunden umgegangen? Ist die Mittagspause geteilt, und wie lang ist sie? Kann man planen, wann man geht?
Für eine Berufsgruppe, die überwiegend weiblich ist und häufig Familie mit Arbeit verbinden muss, ist die Vereinbarkeit oft wichtiger als hundert Euro mehr.
Die Schweigepflicht in jeder Aufnahme
Aufnahmen in einer Arztpraxis sind anspruchsvoller als in jeder anderen Branche, für die wir arbeiten — und der Grund ist die ärztliche Schweigepflicht.
Sie erstreckt sich weiter, als die meisten annehmen.
Schon die Information, dass eine bestimmte Person in einer bestimmten Praxis war, ist ein Gesundheitsdatum und geschützt.
Daraus folgt für Aufnahmen: Keine Patienten im Bild. Auch nicht im Hintergrund. Auch nicht von hinten, wenn eine Zuordnung möglich wäre — an Kleidung, an einer Gehhilfe, an einem Kind.
Keine Bildschirme, auf denen etwas zu sehen ist. Praxissoftware zeigt Namen, Termine, Diagnosen — und eine unscharfe Aufnahme reicht gelegentlich aus.
Keine Akten, keine Terminlisten, keine Notizzettel, keine Überweisungen im Bild.
Keine lesbaren Namensschilder an Behandlungsräumen, wenn daraus hervorgeht, wer dort behandelt wird.
Kein Ton, in dem Gespräche mitlaufen — auch nicht undeutlich.
Praktisch heißt das: Aufnahmen finden außerhalb der Sprechzeiten statt, in vorbereiteten Räumen, mit ausgeschalteten oder abgedeckten Bildschirmen.
Das ist Aufwand und nicht verhandelbar.
Für Aufnahmen von Mitarbeitenden braucht es eine schriftliche, widerrufliche Einwilligung mit Angabe des Verwendungszwecks. Und sie muss freiwillig sein — in einem Arbeitsverhältnis ist die Freiwilligkeit besonders sorgfältig zu wahren.
Ein Punkt, der eigens erwähnt gehört: Auch der Außenbereich kann problematisch sein. Eine Aufnahme vom Eingang, auf der jemand die Praxis verlässt, zeigt einen Patienten.
Selbstcheck: Findest Du MFA?
Acht Aussagen aus der Praxis. Die Auswertung erscheint sofort — es werden keine Daten übertragen.
Was sich je Praxisart unterscheidet
Bei Hausarztpraxen ist der Bedarf am größten und die Belastung an der Anmeldung am höchsten. Hier wirken Angaben zur Entlastung besonders stark.
Bei Facharztpraxen ist die Arbeit spezialisierter und häufig planbarer. Das ist ein Argument, das genannt werden sollte — viele MFA suchen nach weniger Hektik.
Bei Praxen mit Laborleistungen oder eigenen Untersuchungen ist der medizinische Anteil der Tätigkeit höher. Für MFA, die mehr als Verwaltung machen wollen, ist das ein starkes Argument.
Bei Gemeinschaftspraxen und medizinischen Versorgungszentren sind die Teams größer, die Vertretungsregelungen besser und die Entwicklungsmöglichkeiten breiter.
Bei kleinen Einzelpraxen ist das Team klein und die Nähe groß — was für manche ein Vorteil und für andere ein Nachteil ist. Beides sollte ehrlich dargestellt werden.
Bei Praxen mit hohem Privatpatientenanteil ist der Ton an der Anmeldung häufig anders, und die Belastung geringer.
Bei Praxen mit Ausbildungsberechtigung kommt eine zweite Zielgruppe hinzu: Schulabgängerinnen, die den Beruf noch nicht kennen. Die Ansprache ist dann eine andere — hier geht es darum, den Beruf überhaupt zu erklären.
Quer über alle Praxisarten gilt: Eine Anzeige je Stelle und je Zielgruppe. Auszubildende und erfahrene MFA brauchen verschiedene Ansprachen.
Zuerst die eigene Fluktuation ansehen
Bevor eine Kampagne startet, gehört eine Frage geklärt, die unangenehm sein kann: Warum sind die letzten MFA gegangen?
Diese Information liegt in jeder Praxis vor — jedenfalls im Kopf der Praxisleitung — und sie wird selten systematisch betrachtet.
Wenn die Gründe außerhalb der Praxis lagen — Umzug, Familienzeit, Wechsel in eine Klinik wegen der Vergütung —, ist eine Kampagne der richtige Weg.
Wenn die Gründe in der Praxis lagen — Überlastung, Umgangston, fehlende Vertretung, Konflikte —, löst keine Anzeige das Problem.
Neue Mitarbeitende gehen dann aus denselben Gründen wieder, und die Kampagne hat die Fluktuation nur beschleunigt.
In einer Branche, in der sich MFA untereinander austauschen, kommt hinzu: Der Ruf einer Praxis als Arbeitgeber spricht sich in der Region herum.
Eine Praxis, die regelmäßig Personal verliert, wird irgendwann auch mit Werbung niemanden mehr finden.
Deshalb führt diese Prüfung gelegentlich dazu, dass wir von einer Kampagne abraten und stattdessen empfehlen, zuerst intern etwas zu ändern.
Das ist unbequem und ehrlicher, als ein Budget zu verwalten.
Wenn die Lage stimmt, sind die eigenen Mitarbeitenden die glaubwürdigsten Fürsprecher.
Eine kurze Aufnahme, in der eine MFA sagt, warum sie hier arbeitet und was sie in der vorherigen Praxis gestört hat, wirkt bei dieser Zielgruppe stärker als jede Beschreibung.
Voraussetzung ist Freiwilligkeit — und die Bereitschaft, auch stehen zu lassen, was nicht ideal klingt.
Was das kostet — gegen die unbesetzte Stelle
Ein sinnvolles Monatsbudget liegt meist zwischen 300 und 900 Euro, laufend bis zur Besetzung.
Die Aufnahmen entstehen überwiegend intern, brauchen aber wegen der Schweigepflicht Vorbereitung.
Die Gegenrechnung ist bei Praxen besonders deutlich, weil die Folgen einer unbesetzten Stelle unmittelbar spürbar sind.
Eine fehlende MFA bedeutet längere Wartezeiten, weniger Behandlungen je Tag und ein überlastetes Team.
Der teuerste Effekt ist der dritte. Wenn die Verbleibenden die Arbeit auffangen müssen, steigt ihre Wechselbereitschaft — und wer dann geht, reißt die zweite Lücke.
Aus dieser Abwärtsbewegung kommen Praxen schwer wieder heraus, weil sich der Ruf in der Region herumspricht.
Gemessen wird an drei Zahlen: Bewerbungen, geführte Gespräche, Einstellungen.
Realistisch ist, dass aus wenigen Kontakten ein oder zwei Gespräche werden und daraus eine Einstellung. In einem Markt mit diesem Mangel ist das ein gutes Ergebnis.
Ergänzend lohnt eine Beobachtung nach zwölf Monaten: Ist die eingestellte Person noch da? Wenn die Bedingungen ehrlich dargestellt wurden, sollte sie es sein.
Und sobald die Stelle besetzt ist, gehört die Kampagne pausiert — Absagen an MFA, die man in einem Jahr wieder brauchen könnte, sind in einem so engen Markt teuer.
Wann wir abraten
Wenn die Fluktuation interne Ursachen hat, raten wir ab. Eine Kampagne holt dann Menschen in eine Situation, die sie bald wieder verlassen — und der Ruf der Praxis leidet zusätzlich.
Auch wenn die Vergütung nicht genannt werden soll, halten wir uns zurück. Bei dieser Zielgruppe ist die fehlende Angabe ein Ausschlusskriterium, und die Kampagne läuft weitgehend ins Leere.
Ebenso, wenn keine Aufnahmen unter Wahrung der Schweigepflicht möglich sind. Ohne Bilder aus der Praxis fehlt das Entscheidende — und mit unsauberen Aufnahmen entsteht ein Problem, das erheblich größer ist als eine unbesetzte Stelle.
Und wir raten von Patientenwerbung über diesen Kanal ab. Die Budgetierung macht sie bei Kassenleistungen wirtschaftlich sinnlos, und für Selbstzahlerleistungen passt die Altersgruppe nicht.
Häufige Fragen zu TikTok Ads für Praxen
Warum keine Patientenwerbung?
Warum sind MFA so knapp?
Was muss in der Anzeige stehen?
Wer soll in den Aufnahmen auftreten?
Was ist bei Aufnahmen in einer Praxis zu beachten?
Was kostet das?
Weitere Antworten zu Zusammenarbeit, Laufzeiten und Kanälen stehen in unseren häufigen Fragen.