SEO für E-Commerce — der Deckungsbeitrag zählt, nicht der ROAS
Ein ROAS von 6 kann hervorragend sein oder ein Verlustgeschäft — je nach Marge und Retourenquote. Deshalb steht bei uns am Anfang die Frage, was nach Wareneinsatz, Versand und Rücksendungen übrig bleibt. Danach kommen die drei Stellen, die über die Marge entscheiden: der Produktfeed, die Kategorieseiten und die Creatives.
Was wir für Onlineshops machen
Im E-Commerce sind die Zahlen scheinbar eindeutig: Umsatz, Bestellungen, ROAS — alles messbar. Genau das ist die Falle, denn keine dieser Zahlen sagt etwas darüber, was am Monatsende übrig bleibt. Diese sechs Bausteine setzen dort an, wo die Marge entsteht:
Ab welchem ROAS rechnet sich Deine Werbung?
Trag für Deine Produktgruppen Marge und Retourenquote ein und den ROAS, den Deine Kampagnen aktuell erreichen. Du siehst je Gruppe, ob sie trägt — und ab welchem Wert sie es täte.
Gerechnet wird so: Von der Rohmarge gehen Versand- und Zahlungskosten ab, das ergibt den Deckungsbeitrag je verkaufter Einheit. Retouren mindern den Umsatz und verursachen zusätzlich Bearbeitungskosten, die hier vereinfacht über den entgangenen Deckungsbeitrag abgebildet sind — die tatsächlichen Kosten einer Rücksendung liegen darüber, weil Prüfung, Wiedereinlagerung und Wertminderung dazukommen. Der Break-even-ROAS ist der Wert, ab dem die Werbekosten gerade gedeckt sind; alles darüber ist Ertrag. Nicht eingerechnet sind Wiederkäufe: Bei Shops mit hohem Bestandskundenanteil darf der erste Kauf entsprechend teurer sein.
So gehen wir vor
Fünf Schritte von der Margenklärung bis zur Steuerung nach Deckungsbeitrag. Klick auf einen Schritt, um zu sehen, was dort passiert.
Marge klären
3–5 TageZuerst die Zahl, ohne die jede Kampagnenbewertung wertlos ist: Was bleibt nach Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren und Retouren übrig? Erst daraus ergibt sich der ROAS, ab dem sich Werbung überhaupt rechnet.
- Deckungsbeitrag je Produktgruppe erfassen
- Retourenquote je Kategorie ermitteln
- Versand- und Zahlungskosten einrechnen
- Break-even-ROAS je Gruppe bestimmen
Feed aufräumen
1–2 WochenDer Produktfeed ist bei Shopping-Kampagnen das eigentliche Steuerinstrument — und in den meisten Konten der am schlechtesten gepflegte Teil. Titel, Kategorien und Attribute entscheiden darüber, für welche Suchanfragen ausgespielt wird.
- Titel nach Suchverhalten aufbauen
- Produktkategorien korrekt zuordnen
- Fehlende Attribute ergänzen
- Ablehnungen im Merchant Center abarbeiten
Kampagnen trennen
1–2 WochenProdukte mit hoher Marge gehören nicht in dieselbe Kampagne wie Ware, die nur Umsatz macht. Getrennte Strukturen erlauben unterschiedliche Zielwerte — und verhindern, dass Budget in margenschwache Artikel fließt.
- Nach Deckungsbeitrag gruppieren statt nach Sortiment
- Zielwerte je Gruppe setzen
- Marken- und Neukundensuchen trennen
- Ausschlusslisten für Ersatzteile und Zubehör
Kategorieseiten
4–8 WochenOrganische Sichtbarkeit entsteht bei Shops fast immer über Kategorieseiten, nicht über Produktdetailseiten. Sie sind stabil, bündeln Nachfrage und verschwinden nicht, wenn ein Artikel ausläuft.
- Kategoriestruktur an Suchverhalten ausrichten
- Filterseiten gezielt indexierbar machen
- Inhalte mit echtem Beratungswert ergänzen
- Interne Verlinkung zu wichtigen Kategorien
Nach DB steuern
laufendBewertet wird nach Deckungsbeitrag nach Retouren, nicht nach ROAS im Werbekonto. Diese beiden Zahlen können sich so stark unterscheiden, dass die scheinbar beste Kampagne die unrentabelste ist.
- Marge statt Umsatz an die Konten melden
- Retouren nachträglich gegenrechnen
- Neukunden von Bestandskunden trennen
- Budget zu margenstarken Gruppen verschieben
Produktfeed und Shopping-Kampagnen
Bei Shopping und Performance Max gibt es keine Keywords. Wofür ein Produkt ausgespielt wird, entscheidet Google überwiegend anhand des Feeds — Titel, Beschreibung, Kategorie, Attribute. Damit ist der Feed das eigentliche Steuerinstrument, und in den meisten Konten ist er der am schlechtesten gepflegte Teil.
Die häufigsten Fundstellen:
- Titel aus dem Warenwirtschaftssystem. Wenn ein Titel mit Herstellerkürzel und Artikelnummer beginnt, trifft er das Suchverhalten kaum. Vorne gehört hin, wonach gesucht wird: Produkttyp, Marke, die entscheidende Eigenschaft.
- Falsche oder zu grobe Kategoriezuordnung. Sie bestimmt mit, in welchem Wettbewerbsumfeld ein Produkt landet.
- Fehlende Attribute. Größe, Farbe, Material, Zustand — je nach Sortiment entscheiden sie über die Ausspielung bei konkreten Suchanfragen.
- Abgelehnte Produkte im Merchant Center, die monatelang niemand prüft. Jedes abgelehnte Produkt ist ein Artikel, der nicht beworben wird — oft ohne dass es jemandem auffällt.
- Keine Trennung nach Marge. Wenn alle Produkte in derselben Kampagne laufen, fließt das Budget zu den Artikeln mit den meisten Klicks, nicht zu denen mit dem besten Deckungsbeitrag.
Feedarbeit ist unspektakulär und wirkt meist innerhalb weniger Wochen — deutlich schneller als organische Maßnahmen. Deshalb steht sie bei uns am Anfang, sobald Shopping-Kampagnen laufen. Wie Kampagnen darauf aufbauen, steht unter Google Ads.
Kategorieseiten für organische Sichtbarkeit
Organische Sichtbarkeit entsteht bei Shops fast immer über Kategorieseiten. Der Grund liegt im Suchverhalten: Menschen suchen nach Produkttypen und Eigenschaften, nicht nach einzelnen Artikelnamen. Eine Kategorieseite kann diese Nachfrage bündeln, eine Produktseite deckt nur einen Artikel ab.
Dazu kommt die Stabilität. Läuft ein Produkt aus, verschwindet die Seite oder wird zur Sackgasse — die Kategorie bleibt und behält die aufgebaute Sichtbarkeit.
Was eine Kategorieseite gut macht:
- Eine Struktur, die dem Suchverhalten folgt, nicht der internen Sortimentslogik. Was im Einkauf eine Warengruppe ist, muss keine Kategorie sein — und umgekehrt.
- Inhalt mit Beratungswert statt eines Textblocks unter der Produktliste. Welche Variante passt wofür, worauf ist beim Kauf zu achten, welche Größen oder Materialien gibt es.
- Interne Verlinkung zu den Kategorien, die tragen sollen — aus Beratungsinhalten, aus verwandten Kategorien, aus der Navigation.
- Saubere Paginierung und Sortierung, damit nicht dieselben Produkte über dutzende URLs erreichbar sind.
Filterkombinationen erzeugen schnell tausende nahezu identische URLs. Wer sie alle indexieren lässt, verwässert die eigene Sichtbarkeit und bindet Crawl-Kapazität. Der richtige Weg ist umgekehrt: prüfen, für welche Kombinationen es echte Nachfrage gibt, genau diese als eigenständige Seiten mit eigenem Inhalt zugänglich machen — und alles andere für Suchmaschinen schließen.
Retouren und Marge in die Bewertung einrechnen
Das ist der Punkt, an dem im E-Commerce die meisten Fehlentscheidungen entstehen. Werbekonten melden Umsatz, und auf Umsatz wird optimiert. Was tatsächlich übrig bleibt, sieht das System nicht — es sei denn, man sagt es ihm.
Besonders folgenreich ist das bei unterschiedlichen Retourenquoten im Sortiment. Bei Bekleidung liegt die Quote regelmäßig um ein Vielfaches über der von Elektronik oder Verbrauchsartikeln. Eine Kampagne, die auf Umsatz optimiert, verschiebt Budget zuverlässig in die Kategorien mit den meisten Bestellungen — und damit oft in die mit den meisten Rücksendungen.
Zwei Wege, die sich kombinieren lassen:
- Deckungsbeitrag statt Umsatz melden. Statt des Bestellwerts wird der Wert übermittelt, der nach Wareneinsatz und Nebenkosten bleibt. Die Systeme optimieren dann auf Ertrag.
- Retouren nachträglich zurückmelden. Aufwendiger, aber genauer — die Konten lernen, welche Produkte und Zielgruppen zu behaltener Ware führen.
Der Effekt ist regelmäßig unangenehm und heilsam: Kampagnen, die im Bericht am besten aussahen, rutschen nach unten. Genau deshalb lohnt sich die Umstellung. Wie sie technisch läuft, steht unter Analytics & Tracking.
Selbstcheck: Wo verlierst Du Marge?
Acht Aussagen aus der Praxis. Die Auswertung erscheint sofort — es werden keine Daten übertragen und nichts gespeichert.
Markensuchen und Bestandskunden getrennt betrachten
Zwei Verzerrungen, die fast jedes Shop-Konto betreffen und beide in dieselbe Richtung wirken: Sie lassen Kampagnen besser aussehen, als sie sind.
Markensuchen. Wer den Shopnamen sucht, wollte ohnehin dorthin. Laufen diese Klicks in derselben Kampagne wie die Neukundensuche, schreibt sich die Kampagne Bestellungen gut, die auch ohne Werbung gekommen wären. Der ausgewiesene ROAS steigt, der tatsächliche Beitrag bleibt gleich. Das heißt nicht, dass Markenkampagnen sinnlos sind — sie gehören nur getrennt bewertet.
Bestandskunden. Dasselbe Muster: Wer regelmäßig bestellt, hätte auch ohne Anzeige bestellt. Bei Shops mit hohem Wiederkaufanteil kann ein erheblicher Teil des ausgewiesenen Umsatzes darauf entfallen.
Was hilft, ist die Rückmeldung an die Werbekonten, ob eine Bestellung von einem Neukunden kam. Damit lassen sich Gebote gezielt steuern — für Neukunden mehr bieten, weil dort der eigentliche Zuwachs entsteht. Bei Shops mit gutem Wiederkauf darf ein Neukunde im ersten Kauf sogar unrentabel sein, wenn die Folgekäufe eingerechnet werden.
Conversion vor Budget
Bevor das nächste Budget freigegeben wird, lohnt der Blick auf den Checkout. Eine höhere Abschlussquote wirkt auf jeden Kanal gleichzeitig — organisch wie bezahlt — und kostet kein laufendes Geld.
Die üblichen Fundstellen sind unspektakulär und wiederholen sich über Shops hinweg:
- Versandkosten, die erst im letzten Schritt auftauchen. Der mit Abstand häufigste Abbruchgrund.
- Pflichtkonto statt Gastbestellung. Kostet Bestellungen von Erstkäufern zuverlässig.
- Fehlende Zahlarten. Welche fehlen dürfen, hängt vom Sortiment und der Zielgruppe ab — nachsehen lohnt sich, statt zu vermuten.
- Unklare Lieferzeit. „Lieferzeit 1–3 Wochen" erzeugt Abbrüche, ein konkretes Datum nicht.
- Mobile Bedienbarkeit im Checkout, wo der Großteil des Traffics herkommt und die Abschlussquote regelmäßig deutlich niedriger liegt als am Desktop.
Wie sich solche Änderungen belastbar testen lassen, statt sie zu behaupten, steht unter Conversion & Leads.
Onlineshops aus Duisburg und NRW
Wir sitzen in Duisburg und betreuen Shops in ganz Nordrhein-Westfalen sowie bundesweit — bei E-Commerce spielt der Standort naturgemäß die kleinste Rolle aller Branchen, die wir betreuen. Was der regionale Bezug bringt, sind persönliche Termine bei Strategiefragen und Produktionstage für Bild- und Videomaterial, das ohnehin im Lager oder Studio entsteht.
Alle betreuten Städte findest Du unter Standorte, weitere Branchen in der Branchenübersicht.
Häufige Fragen aus dem E-Commerce
Warum reicht der ROAS als Kennzahl nicht?
Wie rechnen wir Retouren in die Kampagnenbewertung ein?
Was ist am Produktfeed so wichtig?
Warum Kategorieseiten statt Produktseiten optimieren?
Wie gehen wir mit Filter- und Facettenseiten um?
Lohnt sich Performance Max?
Wie trennen wir Neukunden von Bestandskunden?
Was bringt Conversion-Optimierung gegenüber mehr Traffic?
Lohnt sich SEO bei starkem Wettbewerb durch Marktplätze?
Was ist mit Marktplätzen und Amazon?
Weitere Antworten zu Zusammenarbeit, Laufzeiten und Kanälen stehen in unseren häufigen Fragen.