Facebook Ads für Steuerberater — die Ausgebildeten, die nicht mehr im Beruf sind
Es gibt eine große Gruppe ausgebildeter Steuerfachangestellter, die den Beruf verlassen hat — wegen Familie, wegen der Arbeitszeiten, wegen der Saison. Diese Menschen sind qualifiziert und erreichbar, aber nicht über Stellenportale.
Was wir für Steuerkanzleien machen
Die Qualifikation ist da — nur nicht im Beruf. Vier Bausteine:
Eine Gruppe, die den Beruf verlassen hat
Wenn Steuerkanzleien über den Fachkräftemangel sprechen, geht es meist um die Ausbildungszahlen und um die Konkurrenz durch Unternehmen, die besser zahlen.
Beides stimmt. Übersehen wird dabei eine Gruppe, die bereits ausgebildet ist und nicht mehr im Beruf arbeitet.
Es sind überwiegend Frauen, die während oder nach der Familienzeit ausgestiegen sind.
Manche arbeiten inzwischen fachfremd — im Einzelhandel, in der Verwaltung, in der Schule als Verwaltungskraft. Manche arbeiten gar nicht.
Die Ausbildung ist vorhanden. Die Berufserfahrung meist auch — häufig mehrere Jahre vor der Pause.
Was gefehlt hat, war ein Arbeitszeitmodell, das zum Leben mit Kindern passte.
Denn der Beruf hat eine Eigenschaft, die mit Familie schlecht vereinbar ist: die Saison. In bestimmten Monaten wird lange gearbeitet, und Teilzeit wird dann schwierig.
Wer in dieser Lage einmal ausgestiegen ist, kommt selten von allein zurück.
Und über Stellenportale ist diese Gruppe nicht erreichbar. Sie sucht nicht — sie hat sich eingerichtet.
Erreichbar ist sie über einen Kanal, den sie ohnehin täglich nutzt. Die Altersstruktur passt: Frauen zwischen dreißig und fünfzig sind dort stark vertreten.
Und wenn dort eine Anzeige erscheint, die ein Modell anbietet, das tatsächlich passt, entsteht ein Gedanke, den vorher niemand hatte.
So gehen wir vor
Kein Paket von der Stange. Der Ablauf richtet sich nach Arbeitszeitmodellen, Saisonregelung und Einarbeitungsmöglichkeit — die Reihenfolge bleibt dieselbe.
Modelle festlegen
3–5 TageZuerst die Frage, welche Arbeitszeitmodelle die Kanzlei tatsächlich anbieten kann.
- Stundenmodelle bestimmen
- Tage und Zeiten festlegen
- Saisonregelung klären
- Homeoffice-Möglichkeit prüfen
Einarbeitung planen
1 WocheFür Wiedereinsteigerinnen wird ein konkreter Einarbeitungsweg beschrieben.
- Einarbeitungsdauer festlegen
- Ansprechpartner benennen
- Fortbildungen einplanen
- Softwareschulung klären
Kampagne aufbauen
1 WocheZielgebiet nach Pendelentfernung, Altersbereich passend zur Gruppe.
- Pendelradius realistisch wählen
- Altersbereich setzen
- Beruflichen Bezug nutzen
- Mehrere Motive testen
Bewerbungsweg bauen
1 WocheEine kurze Seite mit konkreten Angaben und einem Formular von drei Feldern.
- Modelle vollständig darstellen
- Einarbeitung beschreiben
- Formular kürzen
- Vertraulichkeit zusichern
Auswerten und nachziehen
monatlichVerfolgt werden Gespräche und Einstellungen, nicht Reichweite.
- Bewerbungen erfassen
- Gespräche und Zusagen zählen
- Motive nach Wirkung tauschen
- Bei Besetzung pausieren
Teilzeit muss konkret sein
In Stellenanzeigen dieser Branche steht regelmäßig "Teilzeit möglich" oder "Arbeitszeiten nach Absprache".
Für die Zielgruppe sagt das nichts.
Wer mit Kindern eine Stelle sucht, hat konkrete Bedingungen: Die Betreuung endet um halb drei. Am Mittwoch ist Sport. In den Ferien geht wenig. Der Weg zur Kita dauert zwanzig Minuten.
Gegen diese Bedingungen muss ein Angebot passen — und ob es passt, lässt sich bei "nach Absprache" nicht beurteilen.
Die Folge: Es wird nicht angefragt. Nicht aus Desinteresse, sondern weil der Aufwand eines Gesprächs zu hoch ist für etwas, das wahrscheinlich doch nicht funktioniert.
Was wirkt, sind konkrete Modelle.
Zwanzig Stunden an vier Tagen, vormittags von acht bis dreizehn Uhr. Oder drei volle Tage. Oder fünfundzwanzig Stunden in den Schulzeiten, mit Reduzierung in den Ferien.
Je konkreter, desto eher erkennt jemand, dass es passen könnte — und meldet sich.
Mehrere Modelle nebeneinander anzubieten ist dabei besser als eines: Es zeigt, dass die Kanzlei sich Gedanken gemacht hat und dass Spielraum besteht.
Ein Punkt gehört ausdrücklich dazu: die Verlässlichkeit. Gelten die Zeiten tatsächlich, oder sind sie ein Rahmen, von dem regelmäßig abgewichen wird?
Für jemanden mit Betreuungspflichten ist Verlässlichkeit wichtiger als die Stundenzahl.
Die Saison ist die entscheidende Frage
Es gibt eine Frage, die für diese Zielgruppe alles entscheidet und die in Kanzleianzeigen praktisch nie beantwortet wird.
Was gilt in der Saison?
Der Beruf hat Phasen mit hoher Belastung. In diesen Wochen wird länger gearbeitet, und Teilzeitkräfte geraten unter Druck, ihre Zeiten auszudehnen.
Für jemanden mit Kindern ist das nicht möglich. Die Betreuung endet, wann sie endet.
Und genau daran ist ein erheblicher Teil dieser Gruppe gescheitert: Sie sind eingestiegen, es lief einige Monate gut, und dann kam die Saison.
Wer diese Erfahrung gemacht hat, fragt beim nächsten Mal zuerst danach.
Eine Kanzlei, die eine Regelung hat, hat deshalb ein starkes Argument — und sie sollte es nennen.
Mögliche Regelungen: feste Zeiten auch in der Saison, mit anderer Aufgabenverteilung in diesen Wochen. Zeitausgleich in ruhigeren Monaten. Eine Vertretungsregelung. Oder eine Aufgabenzuschnitt, der von der Saisonspitze weniger betroffen ist.
Wer keine Regelung hat, sollte das ehrlich sagen.
Das kostet Bewerbungen und verhindert etwas Teureres: einen Abbruch nach der ersten Saison, bei dem Einarbeitung und Vertrauen verloren sind.
Ein zweiter Punkt, der eng zusammenhängt: Homeoffice. Für diese Gruppe ist die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit von zu Hause zu erledigen, häufig entscheidend — und in diesem Beruf ist sie bei entsprechender technischer Ausstattung gut umsetzbar.
Die Frage, an wie vielen Tagen und ab wann, gehört beantwortet.
Die Sorge vor dem Wiedereinstieg
Neben den Arbeitszeiten gibt es eine zweite Hürde, die selten ausgesprochen und häufig entscheidend ist.
Es ist die Sorge, es nicht mehr zu können.
Wer fünf Jahre nicht im Beruf war, hat einiges verpasst. Die Software hat mehrere Generationen hinter sich. Das Steuerrecht hat sich in Teilen erheblich geändert. Abläufe sind digitalisiert worden, die vorher auf Papier liefen.
Viele in dieser Gruppe trauen sich den Wiedereinstieg nicht zu — obwohl sie fachlich gut waren.
Diese Sorge wird in Bewerbungsgesprächen selten geäußert, weil sie als Schwäche wirkt. Sie verhindert die Bewerbung dagegen zuverlässig.
Eine Kanzlei, die sie ausräumt, erreicht Menschen, die sich sonst nicht gemeldet hätten.
Was dafür nötig ist, ist konkret: eine benannte Einarbeitungszeit — nicht "gründliche Einarbeitung", sondern etwa drei Monate mit einer festen Ansprechperson.
Eine Softwareschulung, bezahlt und in der Arbeitszeit.
Bezahlte Fortbildungen zum aktuellen Recht, ebenfalls in der Arbeitszeit.
Und die ausdrückliche Aussage, dass eine längere Pause kein Ausschlusskriterium ist — im Gegenteil: dass Berufserfahrung von vor fünf Jahren mehr wert ist als keine.
Dieser Satz wirkt bei dieser Gruppe stärker als jedes andere Argument, weil er eine Sorge anspricht, die niemand sonst erwähnt.
Wer ihn schreibt, sollte ihn einhalten — ein Gespräch, in dem die Pause zum Thema wird, macht die ganze Ansprache zunichte.
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Was sich je Zielgruppe unterscheidet
Bei Wiedereinsteigerinnen nach Familienzeit sind Arbeitszeitmodell und Einarbeitung die entscheidenden Punkte. Die Qualifikation ist vorhanden, die Motivation meist hoch.
Bei Menschen, die fachfremd arbeiten und zurückwollen, kommt eine zusätzliche Frage hinzu: Wie lange ist der Abschluss her, und was zählt die zwischenzeitliche Erfahrung? Eine klare Antwort darauf senkt die Hemmschwelle.
Bei Teilzeitkräften, die in einer anderen Kanzlei unzufrieden sind, zählt vor allem die Verlässlichkeit der Zeiten — und die Saisonregelung.
Bei älteren Fachkräften, die reduzieren wollen, ist die Ausgangslage anders: Hier geht es um den Übergang in den Ruhestand, um weniger Stunden bei voller Verantwortung. Diese Gruppe ist wertvoll, weil die Erfahrung hoch ist.
Bei Quereinsteigern ohne steuerfachliche Ausbildung ist der Aufwand erheblich größer, und die Kanzlei muss bereit sein, systematisch auszubilden. Für manche Aufgaben — Buchhaltung, Vorbereitung, Verwaltung — kann sich das lohnen.
Bei Bilanzbuchhaltern und Steuerfachwirten ist die Gruppe klein und über diesen Kanal schlecht erreichbar; hier sind direkte Ansprache und Netzwerke besser.
Für die Kampagne heißt das: Eine Anzeige je Zielgruppe. Die Ansprache einer Wiedereinsteigerin unterscheidet sich grundlegend von der einer unzufriedenen Vollzeitkraft.
Was berufsrechtlich gilt
Die Berufsordnung der Steuerberater setzt Grenzen für Werbung, und sie gelten auch für Stellenanzeigen — wenn auch in geringerem Umfang.
Erlaubt ist sachliche Werbung über die berufliche Tätigkeit. Untersagt sind reklamehafte Anpreisung und irreführende Angaben.
Für Stellenanzeigen ist der Spielraum größer als für Mandatswerbung, weil es nicht um die Anpreisung beruflicher Leistungen geht, sondern um die Suche nach Mitarbeitenden.
Zu beachten bleiben mehrere Punkte.
Keine vergleichende Herabsetzung anderer Kanzleien. Die Formulierung, anderswo werde schlechter bezahlt oder mehr verlangt, ist wettbewerbsrechtlich heikel — auch wenn sie zutrifft.
Korrekte Berufsbezeichnungen. Wer als Steuerberater firmiert, muss es sein; Fachberaterbezeichnungen dürfen nur geführt werden, wenn sie erworben wurden.
Die Verschwiegenheitspflicht. In Aufnahmen aus der Kanzlei dürfen keine Mandantendaten erkennbar sein — keine Bildschirme, keine Akten, keine Namen auf Ordnerrücken, keine Post auf Schreibtischen.
Dieser Punkt wird regelmäßig unterschätzt. In einer Kanzlei liegen Mandantendaten praktisch überall, und eine beiläufige Aufnahme im Büro zeigt schnell mehr, als sie darf.
Praktisch heißt das: Aufnahmen in vorbereiteten Räumen, mit abgeräumten Flächen und ausgeschalteten Bildschirmen.
Bei Aufnahmen von Mitarbeitenden braucht es eine schriftliche, widerrufliche Einwilligung — und sie muss freiwillig sein.
Die Kammern beurteilen Einzelfragen unterschiedlich; im Zweifel lohnt eine Nachfrage bei der zuständigen Kammer, die in aller Regel unkompliziert beantwortet wird.
Was das kostet — gegen die unbesetzte Stelle
Ein sinnvolles Monatsbudget liegt meist zwischen 400 und 1.000 Euro, laufend bis zur Besetzung.
Die Gegenrechnung kennt jede Kanzlei aus eigener Erfahrung.
Eine unbesetzte Stelle bedeutet über Monate: abgelehnte Mandate oder verzögerte Bearbeitung, Überstunden der übrigen Mitarbeitenden, und deren steigende Wechselbereitschaft.
Der letzte Punkt ist der teuerste. Wenn eine Stelle lange offen bleibt, verteilt sich die Arbeit — und wer dann geht, reißt die zweite Lücke.
Eine Teilzeitkraft mit zwanzig Stunden löst dieses Problem zu einem erheblichen Teil, und sie ist über diese Zielgruppe deutlich leichter zu finden als eine Vollzeitkraft.
Das ist ein Punkt, der in der Planung häufig übersehen wird: Zwei Teilzeitkräfte sind organisatorisch aufwendiger als eine Vollzeitkraft — aber sie sind zu finden, und die Vollzeitkraft ist es oft nicht.
Gemessen wird an drei Zahlen: Bewerbungen, geführte Gespräche, Einstellungen.
Ergänzend lohnt eine Beobachtung nach der ersten Saison: Ist die eingestellte Person noch da? Diese Frage ist bei dieser Zielgruppe die eigentliche Erfolgskontrolle — und sie beantwortet sich daran, ob die Saisonregelung gehalten hat.
Und sobald die Stelle besetzt ist, gehört die Kampagne pausiert.
Wann wir abraten
Wenn keine verlässlichen Teilzeitmodelle angeboten werden können, raten wir ab. Der gesamte Ansatz steht darauf, und eine vage Zusage erreicht diese Gruppe nicht.
Auch ohne Saisonregelung halten wir uns zurück — jedenfalls, wenn sie nicht ehrlich benannt wird. Ein Wiedereinstieg, der nach der ersten Saison endet, kostet Einarbeitung, Vertrauen und den guten Ruf bei einer Gruppe, die sich untereinander austauscht.
Ebenso, wenn die Kanzlei Mandate sucht. Über diesen Kanal entstehen keine Mandate; die Entscheidung für einen Steuerberater läuft über Empfehlung und Vertrauen.
Und wir erstellen keine Aufnahmen in Kanzleiräumen, ohne dass vorher abgeräumt und abgeschaltet wurde. Die Verschwiegenheitspflicht lässt sich in einer Kanzlei mit beiläufigen Aufnahmen nicht wahren.
Häufige Fragen zu Facebook Ads für Kanzleien
Wer sind die Wiedereinsteigerinnen?
Warum über diesen Kanal?
Was muss angeboten werden?
Warum ist die Saison so wichtig?
Was ist mit der Einarbeitung?
Was kostet das?
Weitere Antworten zu Zusammenarbeit, Laufzeiten und Kanälen stehen in unseren häufigen Fragen.