TikTok Ads für Dachdecker — ehrlich zeigen, was der Beruf ist
Das Problem im Dachdeckerhandwerk sind nicht nur zu wenige Bewerber, sondern auch zu viele Abbrüche. Wer die Arbeit realistisch zeigt — Höhe, Wetter, Last —, bekommt weniger Bewerbungen und deutlich mehr, die bleiben.
Was wir für Dachdeckerbetriebe machen
Weniger Bewerbungen, mehr die bleiben — darum geht es hier. Vier Bausteine:
Das zweite Problem heißt Abbruch
Wenn im Dachdeckerhandwerk über Nachwuchs gesprochen wird, geht es meist um die Zahl der Bewerbungen. Sie ist zu niedrig, und das stimmt.
Es gibt allerdings ein zweites Problem, das seltener benannt wird und wirtschaftlich schwerer wiegt: die Abbrüche.
Ein erheblicher Teil derer, die anfangen, hört im ersten Lehrjahr wieder auf.
Für den Betrieb ist das teurer als eine unbesetzte Stelle. Ein Jahr Ausbildungsaufwand ist investiert, jemand hat sich gekümmert, Berufsschulzeiten wurden organisiert — und am Ende steht niemand da. Der Platz bleibt zusätzlich für den nächsten Jahrgang leer, weil die Bewerbungsphase längst vorbei ist.
Die Gründe für diese Abbrüche sind bemerkenswert einheitlich.
Es ist selten die fachliche Überforderung. Es ist fast immer die Feststellung, dass die Arbeit anders ist als gedacht.
Dass man bei vier Grad und Nieselregen auf dem Dach steht und nicht nach Hause gehen kann. Dass der Arbeitstag um sechs beginnt, nicht um neun. Dass Ziegel, Dämmrollen und Bahnen den ganzen Tag getragen werden. Dass die Höhe nach zwei Wochen immer noch unangenehm ist. Dass im Winter wenig läuft und im Sommer alles gleichzeitig.
Niemand hat ihnen das vorher gesagt — jedenfalls nicht so, dass es angekommen wäre.
Und genau hier liegt der Ansatzpunkt für einen Kanal, der aus kurzen Videos besteht: Man kann es zeigen.
So gehen wir vor
Kein Paket von der Stange. Der Ablauf richtet sich nach offenen Plätzen, Drehmöglichkeiten und Bewerbungsprozess — die Reihenfolge bleibt dieselbe.
Ausgangslage klären
3–5 TageZuerst die Frage, wie viele Plätze offen sind und woran bisherige Abbrüche lagen.
- Offene Plätze benennen
- Abbruchgründe der letzten Jahre erfassen
- Vergütung und Konditionen festlegen
- Übernahmequote ermitteln
Drehliste erstellen
1–2 WochenMotive von der Baustelle, im Hochformat, ohne Produktionsaufwand.
- Sehenswerte Vorgänge auswählen
- Azubis für Aufnahmen gewinnen
- Arbeitssicherheit in jeder Aufnahme
- Einwilligungen schriftlich einholen
Kampagne aufsetzen
1 WocheZielgebiet nach Pendelentfernung, Alter nach Ausbildungsbeginn.
- Pendelradius realistisch wählen
- Altersbereich passend setzen
- Zweite Zielgruppe Eltern anlegen
- Mehrere Motive testen
Bewerbungsweg bauen
1 WocheEine kurze Seite mit ehrlichen Angaben und einem Formular von drei Feldern.
- Anforderungen ehrlich benennen
- Formular auf drei Felder kürzen
- Probetag anbieten
- Rückruf binnen zwei Tagen zusagen
Auswerten und nachziehen
monatlichVerfolgt werden Gespräche, besetzte Plätze — und die Abbruchquote im Folgejahr.
- Bewerbungen erfassen
- Probetage und Zusagen zählen
- Abbrüche im ersten Jahr verfolgen
- Bei Besetzung pausieren
Ehrlichkeit filtert vor der Ausbildung
Die naheliegende Reaktion auf zu wenige Bewerbungen ist, den Beruf attraktiver darzustellen. Fertige Dächer in Abendsonne, ein junges Team, Zukunftssicherheit.
Das erzeugt mehr Bewerbungen und mehr Abbrüche — weil die Erwartung, die dabei entsteht, von der Wirklichkeit nicht eingelöst wird.
Der andere Weg ist unbequem und wirkt besser: zeigen, wie es ist.
Ein Video von einer Baustelle im November, bei Wind, mit nassem Material. Der Arbeitsbeginn im Dunkeln. Das Tragen von Material über eine Leiter. Die erste Woche eines Azubis, der zugibt, dass ihm alles wehgetan hat.
Das kostet Bewerbungen. Und zwar genau die, die im ersten Winter aufgehört hätten.
Was bleibt, sind Menschen, die wussten, worauf sie sich einlassen — und die deshalb bleiben.
In der Praxis berichten Betriebe, die so vorgehen, von zwei Effekten: weniger Bewerbungen insgesamt, und eine deutlich höhere Quote derer, die das erste Jahr durchstehen.
Wirtschaftlich ist das der bessere Handel. Drei Bewerbungen, aus denen ein Azubi wird, der bleibt, sind mehr wert als zwölf Bewerbungen, aus denen zwei anfangen und beide aufhören.
Es gibt einen dritten Effekt, der weniger offensichtlich ist: Wer die harten Seiten offen benennt, wird bei den positiven Aussagen geglaubt.
Ein Betrieb, der sagt, dass es im November unangenehm ist und dass man sich daran gewöhnt, ist glaubwürdiger als einer, der nur von Teamgeist spricht.
Was von unten niemand sieht
Die ehrliche Darstellung der Nachteile braucht ein Gegenstück, sonst bleibt der Eindruck eines Berufs, den niemand will.
Und dieses Gegenstück ist in diesem Handwerk ungewöhnlich stark — es wird nur nie gezeigt, weil es von unten niemand sieht.
Der Blick von oben. Eine Stadt aus fünfzehn Metern Höhe, morgens, wenn der Nebel noch in den Straßen steht. Diesen Blick haben außer Dachdeckern und Kranführern wenige Menschen im Arbeitsalltag.
Das Ergebnis am Abend. Ein Dach, das morgens nicht da war und das vierzig Jahre halten wird. In wenigen Berufen ist das Tagwerk so sichtbar.
Die Abwechslung. Jedes Dach ist anders, jeden Tag ein anderer Ort, andere Aufgabe, andere Herausforderung. Für Menschen, die sich nicht vorstellen können, jeden Tag denselben Raum zu sehen, ist das ein Argument.
Das Handwerkliche. Ein Kehlblech anzupassen, einen Anschluss dicht zu bekommen, eine Gaube einzudecken — das ist Können, das man erwirbt und das sichtbar wird.
Und die Sicherheit. Wer diesen Beruf gelernt hat, findet Arbeit, solange es Häuser gibt. Das ist in einer Zeit, in der Jugendliche über die Zukunft von Berufen diskutieren, ein starkes Argument.
Diese Punkte wirken, weil sie stimmen — und weil sie neben den ehrlich benannten Nachteilen stehen.
Für die Aufnahmen heißt das: Der Blick vom Dach ist das stärkste Motiv, das dieses Gewerk hat. Er sollte in jeder Kampagne vorkommen.
Ein praktischer Hinweis: Diese Aufnahmen entstehen nebenbei. Es braucht keinen Drehtag, sondern jemanden, der oben ist und das Telefon zückt.
Die Sicherung muss in jeder Aufnahme stimmen
Bei Aufnahmen auf dem Dach gibt es eine Anforderung, die über allem steht und die jede Aufnahme unbrauchbar macht, wenn sie verletzt wird.
Die Arbeitssicherheit muss sichtbar eingehalten sein — in jeder Sekunde jeder Aufnahme.
Absturzsicherung, Helm, Sicherheitsschuhe, ordnungsgemäßes Gerüst, gesicherte Leitern. Alles, was vorgeschrieben ist, muss zu sehen sein.
Der Grund ist dreifach.
Erstens rechtlich: Eine Aufnahme, in der jemand ungesichert am Dachrand steht, dokumentiert einen Verstoß. Sie kann im Schadensfall gegen den Betrieb verwendet werden, und sie ist gegenüber der Berufsgenossenschaft schwer zu erklären.
Zweitens fachlich: Kollegen und Fachleute sehen es sofort. In den Kommentaren unter solchen Videos steht es dann auch — und der Betrieb verliert genau bei der Gruppe an Ansehen, die ihn beurteilen kann.
Drittens, und für die Kampagne am wichtigsten: Eltern schauen mit. Die Sorge um die Sicherheit ist bei diesem Beruf der häufigste Einwand aus dem Elternhaus.
Ein Betrieb, bei dem in jeder Aufnahme sichtbar ordentlich gesichert ist, nimmt diesen Einwand besser als jede Erklärung.
Praktisch empfehlen wir, das ausdrücklich zum Thema zu machen: eine Aufnahme darüber, wie gesichert wird und warum. Das wirkt bei Eltern und bei Bewerbern, die sich vor der Höhe fürchten.
Und es hat einen internen Nebeneffekt, den mehrere Betriebe berichten: Wenn gefilmt wird, wird sorgfältiger gesichert.
Selbstcheck: Bleiben Deine Azubis?
Acht Aussagen aus der Praxis. Die Auswertung erscheint sofort — es werden keine Daten übertragen.
Was sich je Zielgruppe unterscheidet
Bei Schulabgängern nach der zehnten Klasse ist die Ausgangslage offen: Der Beruf ist eine von vielen Möglichkeiten, und es geht darum, überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Hier wirkt die Kombination aus ehrlicher Darstellung und dem Blick von oben am besten.
Bei Jugendlichen mit handwerklichem Vorwissen — aus der Familie, aus einem Praktikum — ist die Vorstellung realistischer. Hier zählen Konditionen, Übernahmechancen und Weiterbildungswege stärker.
Bei Quereinsteigern und Umschülern ist die Zielgruppe älter und die Entscheidung überlegter. Für sie ist die körperliche Anforderung die zentrale Frage, und eine ehrliche Antwort darauf entscheidet.
Bei Eltern als zweiter Zielgruppe stehen Sicherheit und Perspektive im Vordergrund. Für sie sind die Sicherungsaufnahmen und die Angaben zu Übernahmequote und Weiterbildungswegen die tragenden Inhalte.
Bei Gesellen, die den Betrieb wechseln wollen, gilt eine andere Ansprache: Hier zählen Lohn, Arbeitszeiten, Fahrzeuge, Werkzeug und der Umgang im Betrieb. Diese Gruppe ist kleiner, aber sofort einsatzfähig.
Für alle gilt: Ein Probetag ist das wirksamste Angebot, das ein Betrieb machen kann. Er beantwortet alle Fragen auf einmal und filtert zuverlässiger als jede Darstellung.
Der Hinweis darauf gehört in jede Anzeige und auf die Bewerbungsseite — und die rechtlichen Anforderungen an einen Probetag, gerade bei Minderjährigen, gehören vorab geklärt.
Zwei Tage bis zum Rückruf
Der häufigste Bruchpunkt liegt nicht in der Kampagne, sondern danach.
Jemand sieht ein Video, findet es interessant und tippt auf den Link. Was er dann vorfindet, entscheidet.
In vielen Betrieben ist das eine Seite mit einer E-Mail-Adresse und der Aufforderung, Bewerbungsunterlagen zu schicken.
Ein Sechzehnjähriger auf dem Sofa schreibt kein Anschreiben und sucht keine Zeugnisse heraus. Er geht weiter.
Was funktioniert, ist ein Formular mit drei Feldern: Name, Telefonnummer, gewünschter Beruf. Alles Weitere klärt ein Gespräch.
Und dann muss dieses Gespräch schnell kommen.
Ein Interesse, das abends spontan entsteht, hält wenige Tage. Wer innerhalb von zwei Tagen anruft, führt ein Gespräch; wer nach zwei Wochen eine E-Mail schreibt, bekommt keine Antwort.
Angerufen werden sollte, nicht geschrieben. Diese Altersgruppe liest E-Mails selten, reagiert aber auf Anrufe und Nachrichten.
Ein Punkt, der eigens erwähnt gehört: Bei minderjährigen Bewerbern sind die Erziehungsberechtigten einzubeziehen, und der Umgang mit deren Daten gehört geklärt.
In der Praxis ist die Reaktionszeit der Faktor, an dem die meisten Kampagnen scheitern — nicht die Anzeigen, nicht die Zielgruppe.
Deshalb gehört vor dem Start festgelegt, wer zuständig ist und wann er diese Anrufe macht. Wenn es niemanden gibt, der abends oder früh morgens telefonieren kann, ist das Budget verloren.
Was das kostet — und was ein Abbruch kostet
Ein sinnvolles Monatsbudget liegt meist zwischen 400 und 1.000 Euro, konzentriert auf Januar bis Mai für den Ausbildungsbeginn im Sommer, mit einem Nachlauf im August für kurzfristig frei gewordene Plätze.
Die Aufnahmen entstehen überwiegend intern und kosten vor allem Aufmerksamkeit.
Die Gegenrechnung ist in diesem Gewerk besonders klar, weil beide Verlustarten beziffert werden können.
Ein unbesetzter Ausbildungsplatz bedeutet drei Jahre später eine Fachkraft weniger — und im Dachdeckerhandwerk ist diese Fachkraft am Arbeitsmarkt kaum zu bekommen.
Ein Abbruch im ersten Lehrjahr ist teurer: Der Ausbildungsaufwand ist investiert, die Betreuungszeit ist verbraucht, und der Platz bleibt zusätzlich leer, weil die Bewerbungsphase vorbei ist.
Gemessen wird deshalb an vier Zahlen: Bewerbungen, geführte Gespräche, besetzte Plätze — und die Abbruchquote im ersten Jahr.
Die vierte Zahl ist die eigentliche Erfolgsmessung dieses Ansatzes, und sie liegt zwölf Monate in der Zukunft.
Wer ehrlich dargestellt hat, sollte weniger Bewerbungen und weniger Abbrüche sehen. Wenn die Bewerbungen sinken und die Abbrüche bleiben, stimmt die Darstellung noch nicht.
Und wenn die Plätze besetzt sind, gehört die Kampagne pausiert — Absagen an Jugendliche, die sich überwunden haben, hinterlassen einen schlechten Eindruck im ganzen Bekanntenkreis.
Wann wir abraten
Wenn die Arbeitssicherheit auf den Baustellen nicht durchgehend eingehalten wird, raten wir ab. Aufnahmen dokumentieren den Zustand — und was gefilmt wird, muss stimmen. Die Arbeit gehört dann zuerst auf die Baustelle, nicht in die Kampagne.
Auch wenn keine Auszubildenden bereit sind, aufzutreten, halten wir uns zurück. Ein Video mit dem Chef wirkt bei dieser Zielgruppe deutlich schwächer, und niemand sollte zur Mitwirkung gedrängt werden.
Ebenso, wenn die Bewerbungsstrecke nicht vereinfacht wird. Eine Aufforderung, Unterlagen zu schicken, macht die Kampagne wirkungslos.
Und wir raten ab, wenn die Abbrüche im Betrieb andere Ursachen haben als falsche Erwartungen — etwa fehlende Betreuung oder den Umgang im Team. Dann löst eine ehrlichere Darstellung das Problem nicht, und die neuen Azubis hören aus denselben Gründen wieder auf.
Häufige Fragen zu TikTok Ads im Dachdeckerhandwerk
Warum die Nachteile zeigen?
Bleibt dann überhaupt jemand übrig?
Was ist das positive Argument?
Wer soll in den Aufnahmen auftreten?
Was ist mit der Arbeitssicherheit in den Aufnahmen?
Was kostet das?
Weitere Antworten zu Zusammenarbeit, Laufzeiten und Kanälen stehen in unseren häufigen Fragen.